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Material für die Zukunft

MATERIALWENDE

Vortragsprogramm im Pecha Kucha Format.
28.02.2020 com:bau, Messequartier Dornbirn, Halle 12

Seit 2010 veranstaltet OFROOM die Vortragsreihe „Material für die Zukunft“. Regionale und internationale InnovationsträgerInnen stellen neueste Entwicklungen und zukunftsorientierte Systeme vor. Die Veranstaltungen lehnen sich an das besondere Vortragsformat PECHA KUCHA an und folgen deren strengen Regeln: 20 Folien á 20 Sekunden Sprechzeit. Ein Vortrag dauert somit exakt 6 min 40 sek. Inhalte werden hier kurz und prägnant vorgestellt – im anschließenden Networking bietet sich Gelegenheit zur inhaltlichen Vertiefung und zum persönlichem Kennenlernen.

Mit 2020 bekommt das Thema „Material für die Zukunft“ eine neue Brisanz. Wir müssen uns ändern. Alles muss sich ändern. Auch die Baubranche muss sich bemühen, dem Zukunftsbelastenden auszuweichen. Mit der Sonderausstellung MATERIALWENDE – Halle 10 – auf der com:bau 2020 und dem begleitenden Vortragsprogramm im Pecha Kucha Format zeigen wir Beispiele von Materialien, Produkten, Bauweisen und Initiativen, die für eine klimagerechte Architektur zur Verfügung stehen.

Vortragende und Themen:

plasticpreneur – Raphaela Egger
Das Start-Up plasticpreneur entwickelt und produziert small-scale Recycling- Maschinen und -Tools, mit denen aus Kunststoffmüll neue Produkte gestaltet werden können. Dadurch entstehen Arbeits- und Ausbildungsplätze, Bewusstsein und sinnvolle Produkte als Lösungen für lokale Märkte. Plastikmüll wird gesammelt und wieder dem Materialkreislauf zugeführt. Plasticpreneur wenden sich dabei vor allem Projekten mit hohem Social Impact zu. Ihre Maschinen liefern sie bereits auf 5 Kontinente – gemeinsam mit NGOs werden zudem Werkstätten in kleinem Maßstab initiiert, die Umwelt entlastet und die lokale Wirtschaft ermutigt. Plasticpreneur steht im Vortragsprogramm stellvertretend für eine Generation, die unseren heutigen Überfluss nicht als Belastung, sondern als Rohstoff für eine neue Materialwelt versteht.

Milleforma– Elio Moroni
Baumwolle, Salz, Kaolin, Erdpigmente und Wasser. Milleforma ist in seinen Bestandteilen reduziert auf das Nötigste. Die Produktion findet in einem geschlossenen System mit Zero Waste und ohne umweltbelastende Chemikalien statt. Am Ende der Nutzungsdauer nimmt Milleforma seine Produkte zurück und führt sie zu 100% wieder der Produktion zu. Genau so möchten wir Industrie erleben. Milleforma sind ökologisch konzipierte und nachhaltig produzierte Akustikelemente mit hoher Kompetenz in der Designpraxis. Aus einem Baukasten mit 6 Grundformen, 28 Farbtönen und zwei Kantenbildern kann eine unendliche Zahl an individuell gestalteter geometrischer Kompositionen entstehen. Die ultraleichten (6 kg/m2) und hocheffektiven Schallabsorber können an Wand und Decke einfach installiert werden.

Hanfstein – Werner Schönthaler
In unserem Alpenraum wird Kultur-Hanf angebaut. Hanf braucht keine Herbizide oder Düngemittel. Aus der Pflanze werden Hanföl, Hanfmehl oder auch Hanfbier produziert. Die bei der Entholzung der Hanfstängel anfallenden Schäben eignen sich als Baumaterial. Werner Schönthaler, aus der klassischen Baustein Produktion (Betonsteine, Fertigteile, etc.) kommend, hat die Idee des „hempcrete“ als CO2 negatives Baumaterial in einer ersten Produktpalette zur Markt- und Baureife gebracht. Hanfsteine, Hanfputz und Hanfbeton bestehen nur aus Hanf, Kalk und Wasser. Im Hanfstein wird beinahe doppelt so viel CO2 gespeichert, wie in der Produktion freigesetzt wird. Die Produkte können als Ausfachungsmauerwerk monolithisch eingesetzt werden. Das Material ist leicht und wärmedämmend, wirkt desinfizierend und feuchtedynamisch auf die Raumluft, erlaubt mit einem hohen PH-Wert keine Schimmelbildung, leistet eine unendliche Lebensdauer und kann zu 100% in neue Hanfbaumaterialien recycelt werden.

Stampflehm – Martin Rauch
Wenn ein Name mit kontemporärem Bauen aus Lehm in Verbindung gebracht wird, so ist es der von Martin Rauch. Seine Kreise zieht er bis an die Harvard University. Es ist sein Lebenswerk, seine Errungenschaft, dass das Bauen mit Lehm in den letzten drei Jahrzehnten neue Gestalt und vor allem – neue Beachtung und Bewunderung – erhalten hat. Mit dem Bau einer ca. 1.500 m2 großen neuen Werkhalle in Schlins läutet jetzt eine nächste Epoche ein. Wie schon am Ricola Gebäude von Herzog & de Meuron erprobt, werden in Schlins künftig Stampflehm-Fertigteile industriell vorgefertigt. Über die Modulbauweise kann dann schneller und kontrollierter produziert und gebaut werden. Vielleicht ein erster Schritt hin zu einer breiteren Anwendung, die aus ökologischer Sicht sehr zu wünschen wäre, denn die Grundqualität des Lehmbaus bleibt auch in der Fertigteil-Bauweise erhalten: am Ende der Nutzungsdauer zerfällt der verdichtete Stampflehm wieder zu Erde und es kann ohne Qualitätsverlust wieder ein neues Bauwerk daraus entstehen.

Lehmbauplatten– Peter Gmeiner
Wenn ein Architekturbüro heute fragt, was sofort, ohne nachzudenken, ohne Risiko und ohne planerischen Zusatzaufwand in allen Bauten angewandt werden kann, um einen maßgeblichen Schritt in Richtung zukunftswürdiges Bauen zu tätigen, so ist die Antwort: Lehmbauplatten anstelle Gipskartonplatten! Peter Gmeiner hat bereits vor 20 Jahren die Lehmbauplatte als nachhaltige Alternative für den Trockenbau entwickelt. Heute wie damals werden in der Produktgestaltung bei Lehmorange Synergien mit zeitgemäßen Innovationen gesucht. So führt die Beschäftigung mit CO2 neutralen Bauweisen neben Lehm zum Holzbau und innerhalb dieser Thematik zur stoffreinen Verbindung. Der in Österreich erfundene und produzierte Holznagel soll im Lehm-Trockenbau deshalb künftig als logisches Duo miteinander auftreten. Einen weiteren Schwerpunkt legte das Unternehmen von Beginn an und auch heute in die Integration von Heiz- und Kühltechnik in den Trockenbauplatten.

Calostat®– Oliver Jung
CALOSTAT® ist ein Hochleistungsdämmstoff aus Kieselsäure mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,019 W/mK. 9 cm Dämmstärke reichen für einen U-Wert von 0,2 W/m2K. Polystyrol benötigt dafür 10 cm mehr. Ab einem Nutzflächen-Verkaufspreis von 5.000 € liegt der Preis des Raumgewinns über den (hohen) Kosten der Dämmung. Calostat® kann jedoch noch mehr. Die Dämmung ist nicht brennbar, bietet eine konstante Dämmleistung auch gegenüber sommerlicher Hitze, nimmt keine Feuchtigkeit auf, ist beständig und Cradle2Cradle Gold zertifiziert. Auch nach 50 Jahren kann die Dämmung ausgebaut und ohne Leistungsverlust wieder neu verbaut werden. In einem Prozess des Umdenkens wendet sich das Blatt von der heute gängigen billigen Styropor Dämmung hin zu einer hochwertigen, umweltfreundlichen Dämmung, die Investition und Wertanlage darstellt.

Lopas – Roland Meingast
Auch der Holzbau kann sich noch verbessern. Mit Stroh. Ein Wandel in der Bauwirtschaft wurde viel zu lange am Thema der Energieeffizienz fest gemacht. Dabei sind CO2 Einsparungen und Ressourcenschonung die eigentlichen Game Changer. So rückt der Holzbau mehr und mehr in den Vordergrund. Doch Holz ist keine carte blanche. Auch hier gilt es, bedacht und ressourcenschonend mit dem Rohstoff umzugehen, denn der lebende Baum wird für die Reduktion des CO2 Gehalts in der Luft gebraucht und Urwälder - auch in Europa - sollen vor industrieller Nutzung geschont werden. Deshalb ist der zukunftsgerechte Holzbau ein Holzleichtbau und Stroh, als schnell nachwachsender Rohstoff UND Abfallprodukt zugleich ein idealer Begleiter. Seit 2009 produziert das Unternehmen Lopas bereits Strohhäuser. Was mit dem Stapeln von Strohballen anfing, ist heute ein ausgereifter Fertigteil- und Modulbau aus Holz, Stroh und Lehm. Bei gleicher technischer Leistung kann der ökologische Fussabdruck eines Gebäudes damit bis zu 6 mal geringer ausfallen.

Bedruckte PV – Marc Weidmann
Marc Weidmann ist eine Koryphäe der Glasgestaltung. Sein Atelier beherrscht alle Arten der Glasveredlung, -gestaltung und Bedruckung. Eines seiner bekanntesten Werke ist die erste Ricola Halle von Herzog & de Meuron mit den übergroßen Kräuterblättern auf der Polycarbonat Fassade. Die jüngste Entwicklung im Atelier Weidmann beschäftigt sich mit dem Widerspruch der Förderung von Gebäudeintegrierter Photovoltaik bei gleichzeitiger Behinderung eben dieser durch Gestaltungsbeiräte. Die „Störung des Landschaftsbilds“ wendet Marc Weidmann über ein ausgeklügeltes Druckverfahren ab. Mit speziellen Pigmenten wird ein Leistungsverlust minimiert und auffallende PV-Module entweder mit sanfter Camouflage „neutralisiert“ oder über künstlerische Drucke gestalterisch akzentuiert.

Vollholz Hybriddecken – Klaus Engelhart
Holz-Beton-Verbunddecken sprießen in unterschiedlichsten Variationen, gepriesen als innovatives Deckensystem, derzeit aus dem Boden wie Keimlinge im Frühjahr. Der Verbund verteilt Zug und Druckkräfte materialspezifisch, sorgt für ein ansprechendes Raumerlebnis, erfüllt erforderliche Kennwerte für Brandschutz und Akustik - und vor allem: verbessert die Ökobilanz des Gebäudes. Gerne wird in diesem Zusammenhang die CO2-Speicherkapazität von 1000 kg/m3 Holz zitiert. Diese trifft jedoch nicht auf industriell getrocknete, verleimte und oft auch imprägnierte Holz- Produkte, wie Brett- oder Furnierschichtholz zu. Deshalb überholt die Vollholz-Verbunddecke ihre jungen Artgenossinnen und reiht sich an erste Stelle. Hier sind es - inspiriert vom Vorbild der dauerhaften Dippelbaumdecke - halbe Baumstämme, die an der Luft getrocknet und verarbeitet werden. Anmk.: OFROOM distanziert sich von der nicht zertifizierten Behauptung des Unternehmens, 93 kg CO2/m2 in der HolzVerbund Decke zu speichern.


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