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Hedwig Heinsman

bei Bauwerk Parkett

Vom 21. Juni bis in die Nacht des 24. Junis reisten das BAUWERK Österreich Team und OFROOM mit Hedwig Heinsman einmal quer durch Österreich und zurück.

In Wien und Salzburg wurden Vortragsabende in der BAUWERK Parkettwelt abgehalten. In Vorarlberg diente die Villa Müller in Feldkirch als Eventlocation und Residenz des Teams. Linz wurde in freundschaftlicher Kooperation von Stephan Hölzl, Möbel- & Holzbau-Cluster Business Upper Austria - OÖ Wirtschaftsagentur GmbH, eine Tour durch die Tabakfabrik mit persönlicher Führung von Chris Müller organisiert. Auf der Fahrt von Salzburg nach Innsbruck wurden wir von Snohetta zum Mittagstisch geladen. Zurück in Wien gab es noch eine abschließende private Lecture im Co-Creation Space, Grüner Markt von Bruno Sandbichler.

Wer ist Hedwig Heinsman?
Hedwig Heinsman ist Architektin und Unternehmerin aus den Niederlanden, Gründungsmitglied und Partnerin bei DUS Architects, CCO und Creative Director bei Aectual. Sie trägt eine Vision in sich für die sie lebt und arbeitet. Unermüdlich hat sie auf ihrer Reise durch Österreich in Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck, Feldkirch und dann wieder in Wien Vorträge gehalten und zahllose Gespräche geführt; trotz Hitzewelle, EM und Hagelstürmen. Nur in Innsbruck hat sie sich für eine Stunde ausgeklinkt, für eine wichtige Zoomkonferenz mit ihrem Anwalt. Die nächsten rechtlichen Schritte zum 3D-gedruckten Haus mussten dringlich besprochen werden. Sie will es wirklich. Sie denkt es bis zur Machbarkeit. Sie wird es bauen. Kein Marketing Gag, kein Demonstrationshäuschen, kein temporärer Pavillon. Es wird ein richtiges Haus für ihre Familie werden, mit höchsten ökologischen Ansprüchen, vorwiegend nachwachsenden Rohstoffen, zerlegbar und in zirkulärer Materialität. 

Upgrading Architecture
In Ihrem Vortrag zeigt sie eine Skizze zum Bau einer Wand im alten Ägypten vor 5000 Jahren. Daneben ein Foto einer aktuellen Baustelle. Sie wirft die Frage in den Raum: „Wer erkennt den Unterschied?“ Es gibt immer einen im Publikum, der Fotografie und Skizze zu abstrahieren vermag und den Bauhelm als das Maß des Fortschritts am Bau erkennt. Für Hedwig Heinsman reicht das nicht. Für das Fortbestehen der Menschheit auf diesem Planeten auch nicht. Das Bauen muss sich radikal ändern. 

Bis 2050 bleibt Zeit, Emissionen klimaschädlicher Gase gänzlich auf null zu senken und eine vollständige Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Wir alle sind diesbezüglich informiert – und schweigen auf der Wartebank.

„Es“ wird irgendwie passieren
Die Deutschen werden die Braunkohlekraftwerke abdrehen, die Automobilindustrie hat sich für E-Motoren entschieden, Einwegplastik wird Geschichte sein, die Lebensmittelindustrie wird sich im großen Stil von tierischen Produkten abwenden, die Textilindustrie hat die Weichen zum Upcycling von Abfällen in funktionale Fasern längst gestellt, nur die Baubranche scheint beharrlich davon überzeugt zu sein, sich mit Greenwashing erfolgreich durch die Klimakrise mogeln zu können. 

DUS Architects & Aectual, Amsterdam, NL
Hedwig Heinsman und ihre Gründungspartner Hans Vermeulen und Martine de Wit geben sich damit nicht zufrieden und nehmen die Zukunft der Architektur selbst in die Hand. Ausgehend von der Idee eines 3D gedruckten Hauses haben sie sich dieser Verfahrenstechnik zugewandt, Material und Werkzeuge entwickelt und mit Aectual als Spin-Off des Architekturbüros eine industrielle Design Produktion aufgebaut, die weltweit diesen Markt inzwischen anführt. Dabei wird kontinuierlich an den Stellschrauben der Nachhaltigkeit gedreht und in Schüben Innovation vorangetrieben. In ihrer Wertigkeitsmatrix steht Zirkularität an erster Stelle. Das Material soll rezyklierbar sein. Im Geschäftsmodell zielt man genau deshalb auf Elemente, die in der Architektur von Beginn an nur mit einer Kurzlebigkeit bedacht sind: Ausstellungsarchitektur, Shops, Hotels, Dekor, ephemere Bauten, … Nachhaltigkeit soll Gestaltbarkeit nicht einschränken. Auch das Kurzlebige hat Berechtigung, wenn Material und Herstellung dafür konzipiert sind und Kreislauffähigkeit garantieren. Ein Leasing Modell und die verbindliche Rückgabe des Materials werden deshalb speziell für diese Wandelbarkeit der Architekturelemente eingerichtet: lease ein Materialkontingent, abonniere das Design. Das Material kann jederzeit wieder in neuer Form gedruckt werden. Was heute Wandverkleidung ist, kann morgen Blumentopf sein. Bis zu sieben Mal können die von Aectual mit Henkel entwickelten Biopolymere, hergestellt aus Leinöl, geschreddert und wieder neu gedruckt werden. Das macht bei Hotels mit einem durchschnittlichen Erneuerungs-Zyklus von 7 Jahren immerhin 49 Jahre, die eine Innenraumgestaltung derart künftig durchleben könnte. Ausgelaugtes Material kann schließlich noch in ausreichend stabiler Qualität für die fabulösen Aectual Terrazzo Fussböden als individuell gedrucktes Fugenbild verwendent werden.

Lease ein Materialkontingent, abonniere das Design - was heute Wandverkleidung ist, kann morgen Blumentopf sein.

Während das von ArchitektInnen eher gemiedene Plastik in seiner wandelbaren Ästhetik und angenehmen Haptik (das Biopolymer fühlt sich weich an) dem Publikum dieser Vortragsreise mehr und mehr ans Herz wuchs, drängte sich die Frage auf: 

„Und was hat BAUWERK PARKETT damit zu tun?“.
In den Showrooms von BAUWERK in Wien und Salzburg verstand man die Rolle des Parkettherstellers als Gastgeber. Erst in Vorarlberg, zu Gast in der Villa Müller, als Lehm und Holz wie eine tobende Brandung die Diskussion samt 3D-gedrucktem Kunststoff mit sich reißen wollten, wurde klar: das Gemeinsame liegt in der Innovationskraft für eine lebbare Zukunft. Dort, wo BAUWERK bereits 1975 vom Vollholz Parkett zum 2-Schicht Parkett gewechselt hat, setzte Weitblick und Sparsamkeit mit der Ressource Eichenholz ein. Wachstum lässt sich bei einer Ressource, die 100 Jahre gepflegt werden will bevor sie geerntet werden kann, nicht einfach einrichten. Die Reduktion auf eine minimierte Nutzschicht in Kombination mit einer Trägerschicht war ein erster Schritt. 

Heute ist klar, dass keine Optimierung reichen kann, wenn Ressourcen linear verbraucht werden.

Über die wachsende Ressourcenverknappung weiss man bei BAUWERK PARKETT, dass spätestens in 10 Jahren die Produktion aus den vorhandenen Waldbeständen nicht mehr ausreichend bedient werden kann. Bereits im Jahr 2010 wurde diesbezüglich ein wesentlicher Schritt gesetzt und ein erstes kreislauffähiges Produkt für eine Cradle2Cradle Gold Zertifizierung neu entwickelt. 

Es gilt, voran zu schreiten, konsequent auf eine Kreislaufwirtschaft zu setzen, sowohl seitens der Hersteller, wie auch seitens der ArchitektInnen und der Bauherrschaft.

Mut zur Zukunft.
BAUWERK Parkett hatte viel Mut bewiesen, sich auf diese Reise mit Hedwig Heinsman und OFROOM durch Österreich zu begeben. Ein Vortrags-Marathon, der auf den ersten Blick rein gar nichts mit BAUWERK zu tun hat, mitunter sogar mit dem Bodenbelagsprodukt von Aectual in Konkurrenz steht. Dazu der Schatten der noch immer nicht ausklingenden Covid Pandemie und die Konkurrenz der Fussball EM. Doch es war eine der wertvollsten Veranstaltungen im OFROOM Portfolio. Insgesamt fünf mal hörten wir, das begleitende Team, den Vortrag von Hedwig. Unsere Konzentration klebte vom ersten bis zu ihrem letzten Wort an ihren Lippen. Es war, als wollte man sich aus dieser von ihr und Aectual / DUS Architektur gelebten Zukunft nicht mehr lösen. Wir alle - auch BAUWERK Parkett - konnten von ihr lernen. 

Herzlichen Dank allen Mitwirkenden und Besuchern, insbesondere Hedwig Heinsman für diese spannende Vortragswoche und den Teams in Wien und Salzburg von BAUWERK Parkett Österreich. 


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